14.07.2026
Am Mittwoch, den 1. Juli 2026 war es endlich so weit: Thomas konnte uns nochmal in der Weltenschmiede besuchen kommen.
Dies war nicht so einfach, wie es klingen mag, denn Thomas hatte einen Hirntumor und war deswegen seit fast 2 Jahren halbseitig gelähmt, konnte sich nur noch rudimentär artikulieren und war vollständig auf die Hilfe von anderen angewiesen.
Aber sein Kämpferherz, erprobt in vielen Meeple-Schlachten, war ungebrochen. Und so wünschte er sich noch ein letztes Mal in die Weltenschmiede kommen zu können. Den Ort, wo wir ihn kennenlernen durften, viel zusammen gelacht hatten und gemeinsam so manches Mal auf einen ausgiebigen Schlaf verzichteten.
Den Ort, an dem er sich fast 2 Jahrzehnte lang engagiert hatte, Spieletreffs ins Leben rief und sich im Vorstand auf diversen Posten seiner Ehrenmitgliedschaft verdient gemacht hatte, die wir ihm am 15. März dieses Jahres verliehen und am 1. Juli feierlich überreichen durften.
Thomas hatte einen großen Beitrag geleistet, unseren Irrlicht e.V. zu dem offenherzigen Ort zu machen, den wir alle kennen und lieben.
Jetzt kennt ihr den Grund für seinen Besuch, nun möchte ich all jenen die leider nicht dabei sein konnten eine Vorstellung geben, was wir da so getrieben haben:
Annika, Thomas’ bessere Hälfte, hatte sich um 13°° im Hospiz Domino Worlds – Club Treptow mit dem Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes getroffen und Thomas auf das Abenteuer vorbereitet.
Nach einem letzten Toilettengang wurde Thomas auf eine Transportliege geschnallt und um 14:15 in den Wünschewagen verfrachtet.
Um 14:50 waren sie dann, 10 Minuten vor der Zeit, in der Weltenschmiede angekommen. Typisch Berlin parkte der Wünschewagen dreist in der zweiten Reihe, entlud Thomas und manövrierte ihn geschickt durch eine Lücke zwischen den parkenden Autos, wo unsere neue Rampe bereits auf ihn wartete und von Thomas ohne viel Aufhebens eingeweiht wurde.
Drinnen hatten wir seine Lieblingsspiele aufgebaut: Star Wars Outer Rim, Battlestar Galactica, Herr der Ringe - Der Ringkrieg und unseren allseits beliebten Absacker-Klassiker Bezzerwizzer.
Abgesehen von Annika, kam auch sein Vater und seine Schwester mit zu Besuch und von unserer Seite aus waren knapp 10 Leute anwesend, die sich schon diebisch auf Thomas freuten.
Dann haben wir zwischen den Tischen einen Sitzkreis gebildet und Thomas einen Ehrenplatz ausgesucht, von wo er uns am besten alle im Blick behalten konnte.
Wir quatschten, lachten und schwelgten in gemeinsamen Erinnerungen, während so nach und nach weitere dazu kamen, sich dazu gesellten und Thomas noch Mal in der Weltenschmiede begrüßen konnten.

Etwa um 16 Uhr kam es dann zur Ehrenauszeichnung und unser erster Vorsitzender Patrick überreichte Thomas eine Urkunde zu seiner Ehrenmitgliedschaft. Wie für uns üblich mit einem Schalk im Nacken, denn einer Zeremonie.
Thomas war sichtlich gerührt, wenn auch nicht überrascht, da wir die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft im Vorfeld gepetzt hatten.
Am liebsten wäre es Thomas wohl gewesen, wenn wir an dieser Stelle noch eines der Spiele hätten spielen können. Aber als große Gemeinschaft entschlossen wir uns dann eine kleine Runde Hitster in zwei Teams zu spielen.
Und so haben wir mit unserem Halbwissen mal mehr mal weniger Glänzen können, bei bekannten Songs katzenhaft mitgesungen und eine schöne Zeit gemeinsam gehabt.
Kurz vor 17 Uhr dann, sagte Thomas dann aber auch, dass es für ihn alles sehr anstrengend war, und so bereiteten wir den Abschied vor.
Gemeinsam gingen wir vor die Weltenschmiede und machten ein paar Gruppenfotos, der Wünschewagen fuhr vor und Thomas wurde wieder zurück in sein Zimmer gefahren.
Wir anderen blieben noch etwa 1 Stunde beisammen und haben in Gesprächen unsere Eindrücke, unsere Freude, aber auch unsere Trauer um seinen Gesundheitszustand verarbeitet.
Mit überwiegender guter Laune haben wir uns dann einer nach dem anderen wieder verabschiedet und waren uns in einer Sache einig:
Es war ein guter Tag. Für uns, für Thomas’ Familie und ganz besonders für Thomas selbst.
An dieser Stelle hätte ich gerne diesen Bericht beendet, aber leider gibt es noch etwas zu berichten:
Acht Tage später, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, ist Thomas dann verstorben.
Wir hatten zwar alle gehofft noch ein wenig Zeit mit Thomas verbringen zu dürfen. Videoabend bei ihm, ein weiterer Besuch zum Sommerfest vielleicht, wenn es gut läuft, paar Ausflüge mit ihm im Rollstuhl. Zumindest in den Garten des Hospizes.
Auf der anderen Seite hat es Thomas nun aber auch geschafft, denn es war für ihn trotz Kampfeswillen und unbeugsamen Optimismus wieder aktiver werden zu können, eben auch eine Qual in einem Körper zu sein, der ihm nicht mehr gehorchte und sich nicht mehr klar verständlich ausdrücken zu können.
Und so gesehen war sein Besuch und die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft auch gleichzeitig sein Abschied.
Thomas, wir vergessen Dich nicht und danken Dir für Alles.
Es war uns eine Ehre, Dir mit der Erfüllung Deines letzten Wunsches, eine große Freude gemacht zu haben.
Ruhe in Frieden
P.S.: Danke an alle, die diesen Besuch möglich gemacht haben.
Insbesondere Annika, ohne die das Ganze nicht hätte stattfinden können. Aber auch an all jene, die Möglichkeiten ausgelotet haben, sich um die Rampe gekümmert haben, Geld gespendet hatten, falls wir in Vorkasse gehen müssen und vieles mehr.
Und ganz besonderen Dank an die ehrenhaft tätigen Helfer*innen vom ASB Wünschewagen. Ein tolles Projekt ohne dessen Hilfe Thomas’ Wunsch nicht erfüllbar gewesen wäre.
Irrlicht - 23:29:35 @ Aktuelles